Regionalgeschichtliches Laboratorium TERRA TRANSODERANA Transformationen und Identitäten in der deutsch polnischen Grenzregion für die akademische Bildungsarbeit
Aufgrund der über 40 Jahre langen relativen Grenzschließung zwischen Deutschland und Polen sind Wissen und Wahrnehmung der gemeinsamen Geschichte, des kulturellen und historischen Raums Ostbrandenburgs und des Lebuser Landes im heutigen Bewusstsein weitgehend verloren gegangen. Die Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg, die Verbrechen des Dritten Reichs, Grenzverschiebungen und insbesondere die Zwangsmigrationen erschweren es, die gemeinsame Geschichte der Region anzuerkennen. Diese Geschichte ist jedoch nicht nur lokal bedeutsam, sondern steht auch beispielhaft für die europäische Geschichte des 20. Jahrhunderts mit zwei Weltkriegen, Grenzverschiebungen, Migrationen sowie dem Verlust und der Entstehung neuer Identitäten. Sie ist daher nicht nur für Bewohner*innen, sondern auch für Besucher*innen von Interesse. TERRA TRANSODERANA ist ein Laboratorium für europäische Regionalgeschichte, in dem neue Methoden für Lehre, wissenschaftliche Zusammenarbeit und Wissenstransfer zu Migrationen, Transformationen und Identitäten an der deutsch polnischen Grenze von den beiden Universitäten im Austausch mit regionalen Bildungsakteur*innen entwickelt werden.
Trotz zahlreicher bedeutender grenzüberschreitender Projekte in Brandenburg und der Woiwodschaft Lebus mangelt es an einer nachhaltigen Kompetenzentwicklung in der akademischen Ausbildung, Lehre, dem akademischen Austausch, der Einbindung junger Wissenschaftler*innen sowie einer breiten Diskussion historischer und kulturwissenschaftlicher Themen. Die 2024 geschlossene Kooperationsvereinbarung zwischen den beiden Universitäten, der Universität Zielona Góra und der Europa Universität Viadrina, gilt es mit Leben zu füllen.
Mit dem Projekt Laboratorium TERRA TRANSODERANA wollen wir die deutsch polnische Zusammenarbeit durch partnerschaftliches Engagement, Vernetzung, Wissensaustausch und den Zugang zu neuen Methoden der historischen Vermittlung und des Austauschs neu beleben und festigen. Gemeinsame Workshops, regionale Studienreisen und öffentliche Debatten zielen darauf ab, das Thema Kulturerbe in unserer Region zu erschließen und regionale Narrative in unsere Arbeit einzubeziehen. Das Projekt bringt deutsche, polnische und internationale Wissenschaftler*innen der beiden Partneruniversitäten in interkulturellen Lehr und Vermittlungsformaten zusammen. Es stärkt die Kompetenzen in diesem Bereich und entwickelt Prototypen für zukünftige deutsch polnische, europäische und grenzüberschreitende Zusammenarbeit.
Das Projekt umfasst eine Vielfalt von grenzüberschreitenden Aktivitäten: Schulungen, Workshops, regionale Studienreisen auf beiden Seiten der Oder für Geschichtsakteur*innen (Museumsmitarbeitende, Geschichtslehrer*innen), Konferenzen, Kolloquien, Debatten und Vorträge mit dem Ziel, Wissen zu vermitteln, Stereotypen abzubauen sowie Methoden der grenzüberschreitenden Bildungsarbeit bereitzustellen. Im Rahmen des Projekts entstehen ein Handbuch, ein Geschichtsspiel sowie eine Bildungsreise für Schüler*innen und eine internationale Sommerakademie für Studierende.
Projektlaufzeit: Juli 2026 - Juni 2029
Partner
- Stadt Zielona Góra
- Stadt Frankfurt (Oder)
- Muzeum Ziemi Lubuskiej, Zielona Góra
- Museum Viadrina, Frankfurt (Oder)
- Institut für angewandte Geschichte Gesellschaft und Wissenschaft im Dialog e.V., Frankfurt (Oder)
- Museumsverband des Landes Brandenburg e.V., Potsdam
- Deutsch Polnisches Haus, Berlin
- Wojewódzka i Miejska Biblioteka Publiczna, Gorzów Wlkp.